Der Packraum - Notizen aus den Niederungen des Buchhandels
Wenn man im Wareneingang einer Buchhandlung arbeitet und jeden Tag Hunderte von Büchern auspackt, macht man sich schon ein paar Gedanken. Über abstruse und unnötige Werke und die Leute, die sie kaufen.
Wer ältere Einträge lesen möchte, kann im Kalender nach hinten blättern.
 |
 |
Verfasst am 21.03.2005 18:03:15 Uhr Unter Päpsten
"Ach Gott", seufzte Johannes Paul II., "ich fühle mich manchmal so einsam. Freunde habe ich keine, mit Frauen is nix, ich habe noch nicht mal Kollegen."
"Moooment", widersprach der Herr, "Päpste gibt's doch jede Menge. Warum lädst du sie nicht mal zum Essen ein?"
Gesagt, getan, am nächsten Sonntag saßen fünf von ihnen im Vatikan um den Mittagstisch.
"Tierische Fette, Kohlenhydrate, Industriezucker", nörgelte Ulrich Strunz, der Fitnesspapst. "Kein Wunder, dass Sie kränkeln, mein Lieber. Und immer nur auf dem Thron Petri abhängen, das ist auch nicht gut für Sie. Laufen, laufen, laufen..."
"Noch besser als gesund essen ist überhaupt nicht essen", mischte sich Rüdiger Dahlke, der Fastenpapst, ein und angelte sich eine soßentriefende Bratenscheibe von der Platte. Dabei kleckerte er Johannes Paul, der neben ihm saß, auf die Soutane. Der rieb mit einer Serviette an dem Fleck rum. "Ob das wieder rausgeht?"
"Keine Sorge", tröstete ihn Heinz Waldmüller, der Schnäppchenpapst, "beim Boss-Fabrikverkauf auf der Schwäbischen Alb kriegen Sie einen nagelneuen Anzug zum Preis von einmal chemisch reinigen lassen."
"Überhaupt wäre es an der Zeit, einmal Ihr äußeres Erscheinungsbild zu überdenken", mischten sich Holger Jung und Jean-Remy von Matt, die Werbepäpste ein. "Ewig diese Soutanen, da wäre doch mal was Neues, Trendiges angesagt..."
Nur Matthias Pöhm, der Schlagfertigkeitspapst, hatte bisher noch nichts gesagt. Er sollte auch nicht mehr dazu kommen, da Johannes Paul, einen Schwächeanfall vorschützend, überstürzt die Tafel aufhob.
"O Herr", stöhnte er, "welch eine Prüfung! Zum Glück habe ich nicht auch noch Ursula Summ, die Trennkostpäpstin eingeladen. Eine Päpstin, was für ein Sakrileg! Nein, da bleib ich sonntags lieber allein und arbeite mich in mein neues Betriebssystem ein. Wo liegt denn schon wieder meine Linux-Bibel?"
(alle kursiv gesetzten Worte stammen von Klappentexten oder aus der Verlagswerbung)
|
|
 |
| < | März 2005 | > | | So | Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa |
| | | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | | |
|
|